Elicit AI Anleitung (Deutsch): Literaturrecherche in 5 Schritten
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Mit Elicit recherchierst du wissenschaftliche Literatur in fünf Schritten: kostenloses Konto anlegen, eine klare Forschungsfrage eingeben, die Ergebnistabelle lesen, einzelne Punkte aus den Papern extrahieren und am Ende jede Aussage gegen die Originalquelle prüfen. Der ganze erste Durchlauf dauert keine Viertelstunde. Diese Anleitung führt dich auf Deutsch durch jeden Schritt und zeigt dir auch, wo Elicit Fehler macht und worauf du achten musst.
Elicit ist kein Chatbot wie ChatGPT, sondern ein Recherche-Werkzeug, das ausschließlich auf einer Datenbank von über 125 Millionen wissenschaftlichen Arbeiten arbeitet. Wenn du wissen willst, was das Tool kostet und für wen es sich lohnt, findest du die Details in unserem Elicit AI Testbericht. Hier geht es um die reine Anwendung.
Vorbereitung: kostenloses Konto anlegen (ohne Kreditkarte)
Du brauchst nur eine E-Mail-Adresse – keine Kreditkarte, keine Hochschulanmeldung. Geh auf elicit.com, klick auf “Sign up” und registriere dich entweder mit deiner E-Mail oder per Google-Login. Eine Hochschul-E-Mail ist nicht nötig, eine private Adresse reicht.
Nach der Anmeldung landest du direkt im Suchfeld. Die Oberfläche ist auf Englisch, aber so aufgeräumt, dass du dich auch ohne perfektes Englisch zurechtfindest: ein großes Eingabefeld in der Mitte, links die gespeicherten Projekte.
Der kostenlose Tarif gibt dir eine feste Menge an Credits pro Monat. Damit kannst du suchen und die wichtigsten Funktionen ausprobieren. Erst wenn du große Mengen Paper gleichzeitig auswertest oder viele Spalten extrahierst, stößt du an die Grenze. So sehen die Stufen aus:
| Tarif | Kosten (Stand 2026) | Wofür geeignet |
|---|---|---|
| Basic (kostenlos) | 0 € | Einstieg, einzelne Recherchen, Funktionen testen |
| Plus | ca. 10–12 $/Monat | regelmäßige Recherche, mehr Extraktionen |
| Pro | ca. 42 $/Monat | systematische Reviews, große Tabellen, Team |
Mein Rat: Fang mit Basic an. Erst wenn dir die Credits regelmäßig ausgehen, lohnt sich der Wechsel. Die genauen Preise schwanken, prüf sie also direkt im Tool.
Schritt 1: Forschungsfrage richtig formulieren (auf Deutsch vs. Englisch)
Stell deine Frage als vollständigen Satz, nicht als Stichwortliste – und am besten auf Englisch. Elicit ist kein Suchmaschinen-Feld, in das du “Schlaf Konzentration Studenten” tippst. Es versteht ganze Fragen. Gib also lieber ein: “Welchen Einfluss hat Schlafmangel auf die Konzentrationsfähigkeit von Studierenden?”
Zur Sprache: Du kannst deine Frage auf Deutsch eingeben, und Elicit versteht sie. Aber die Datenbank besteht fast vollständig aus englischsprachigen Arbeiten. Eine deutsche Frage wird intern übersetzt, und dabei geht manchmal Präzision verloren. Wer auf Nummer sicher gehen will, formuliert die Frage gleich auf Englisch.
So sieht der Unterschied in der Praxis aus:
| Eingabe | Ergebnis |
|---|---|
| ”Schlaf Konzentration” (Stichworte, DE) | breit gestreut, viel Irrelevantes |
| ”Wie wirkt sich Schlafmangel auf die Konzentration aus?” (Satz, DE) | brauchbar, aber teils ungenau übersetzt |
| ”How does sleep deprivation affect concentration in students?” (Satz, EN) | am präzisesten, beste Trefferqualität |
Ein einfacher Workflow: Formuliere die Frage zuerst auf Deutsch, lass sie dir von einem Übersetzer oder von ChatGPT ins akademische Englisch übertragen und gib diese Version in Elicit ein. Wenn dir das Thema noch unklar ist, hilft vorab eine Runde mit einem KI-Assistenten – wie das geht, zeigen wir im Beitrag zu KI-Tools fürs Studium.
Schritt 2: Paper finden und die Ergebnistabelle lesen
Das Herzstück von Elicit ist die Ergebnistabelle: eine Zeile pro Paper, Spalten mit den Kerninfos. Nach deiner Frage zeigt Elicit nicht einfach eine Linkliste, sondern eine Tabelle. Jede Zeile ist eine wissenschaftliche Arbeit. Die Standardspalten sind:
- Titel und Autoren mit Jahr und Veröffentlichungsort
- Abstract Summary – eine kurze, von Elicit generierte Zusammenfassung des Abstracts in einem Satz
- Citations – wie oft die Arbeit zitiert wurde (ein grober Hinweis auf Relevanz)
Lies zuerst die “Abstract Summary”-Spalte von oben nach unten. So siehst du in einer Minute, welche Paper überhaupt zu deiner Frage passen, ohne jedes Abstract einzeln zu öffnen. Paper, die offensichtlich danebenliegen, hakst du gedanklich ab.
Achte auf die Zitationszahl, aber überschätze sie nicht. Eine hohe Zahl heißt oft, dass eine Arbeit wichtig ist – kann aber auch einfach bedeuten, dass sie alt ist. Eine Studie von 2026 hat naturgemäß weniger Zitate als eine von 2015, ist für deine Recherche aber vielleicht relevanter.

Schritt 3: Zusammenfassungen und Chat mit den Arbeiten nutzen
Über der Tabelle steht eine zusammenfassende Antwort, die mehrere Paper bündelt – mit Quellenangaben dahinter. Elicit fasst die Top-Treffer zu einem kurzen Absatz zusammen und setzt kleine Nummern ans Satzende, die auf die jeweiligen Arbeiten verweisen. Das gibt dir einen schnellen Überblick über den Forschungsstand.
Wichtig: Diese Zusammenfassung ist ein Startpunkt, kein Zitat. Du darfst sie nicht wörtlich in deine Arbeit übernehmen. Sie hilft dir, die Richtung zu verstehen und zu entscheiden, welche Paper du genauer liest.
Zusätzlich kannst du mit einer einzelnen Arbeit “chatten”. Klick ein Paper an und stell Fragen wie:
Welche Stichprobengröße hatte diese Studie und wie wurde sie erhoben?
Elicit antwortet auf Basis des Volltextes (sofern verfügbar) und zeigt dir die Textstelle, aus der die Antwort stammt. Genau diese Verlinkung zur Originalstelle macht das Chatten brauchbarer als einen allgemeinen Chatbot: Du siehst sofort, ob die Antwort wirklich im Paper steht.
Schritt 4: Daten aus Tabellen extrahieren und exportieren
Du kannst eigene Spalten anlegen, die Elicit für jedes Paper automatisch ausfüllt. Das ist die Funktion, für die viele Elicit überhaupt nutzen. Über “Add column” gibst du an, welche Information du aus allen Arbeiten gleichzeitig herausziehen willst, zum Beispiel:
- Stichprobengröße
- Untersuchte Population (Alter, Land)
- Studiendesign (RCT, Beobachtungsstudie, Metaanalyse)
- Hauptergebnis in einem Satz
- Limitationen, die die Autoren selbst nennen
Elicit liest jedes Paper und trägt die Werte in die neue Spalte ein. Bei zehn Arbeiten sparst du dir damit Stunden manuellen Lesens. Du baust dir im Grunde eine Vergleichstabelle, wie sie für eine systematische Übersicht nötig wäre.
Wenn die Tabelle steht, exportierst du sie über “Export” als CSV-Datei. Diese öffnest du in Excel oder Google Sheets und arbeitest dort weiter. Die Zitationen kannst du in gängige Formate übernehmen und in Literaturverwaltungen wie Zotero importieren.
Ein ehrlicher Hinweis: Je spezifischer deine Spalte, desto zuverlässiger das Ergebnis. Eine Spalte “Stichprobengröße” füllt Elicit fast immer korrekt. Eine vage Spalte wie “War die Studie gut?” liefert dir nur Geschwätz. Frag konkret.
Schritt 5: Quellen prüfen und Halluzinationen vermeiden
Prüfe jede Aussage, die du übernehmen willst, gegen das Originalpaper – immer. Das ist kein optionaler Schritt, sondern der wichtigste. Elicit arbeitet zwar deutlich quellentreuer als ein freier Chatbot, weil es nur aus echten Papern zieht. Aber die generierten Zusammenfassungen können trotzdem etwas verdrehen, zuspitzen oder eine Nuance verlieren.
So gehst du vor:
- Klick auf die Quelle. Elicit verlinkt zu jedem Eintrag die Originalarbeit oder zumindest das Abstract.
- Such die Textstelle. Prüf, ob die Aussage wirklich so im Paper steht – nicht nur sinngemäß, sondern genau.
- Zitiere das Paper, nicht Elicit. In deiner Arbeit steht die Originalquelle als Beleg, niemals “laut Elicit”.
Achte besonders auf Zahlen, Prozentangaben und Kausalaussagen. Wenn Elicit schreibt “Schlafmangel senkt die Konzentration um 30 %”, ist das genau die Art Satz, die du im Original verifizieren musst. Oft steht dort etwas Vorsichtigeres.
Behandle Elicit wie eine sehr fleißige studentische Hilfskraft: schnell, hilfreich beim Sichten – aber die Verantwortung für jedes Zitat bleibt bei dir.
Häufige Fehler bei der Recherche mit Elicit
Die meisten Probleme entstehen, weil Leute Elicit für etwas benutzen, wofür es nicht gebaut ist. Diese Stolperfallen siehst du am häufigsten:
- Elicit als Schreibwerkzeug missbrauchen. Es soll Literatur finden und auswerten, nicht deine Hausarbeit formulieren. Wer ganze Absätze aus den Zusammenfassungen kopiert, riskiert Plagiate und falsche Zitate.
- Nur die Zusammenfassung lesen. Die generierte Antwort oben ersetzt nicht das Lesen der relevanten Paper. Sie hilft dir nur, die richtigen auszuwählen.
- Deutsche Stichworte statt englischer Fragen. Wie in Schritt 1 gezeigt, verschenkst du damit Trefferqualität.
- Quellen nicht prüfen. Der teuerste Fehler – eine falsch übernommene Zahl kann eine ganze Argumentation kippen.
- Bei rein deutschsprachigen Themen darauf bauen. Für Themen, zu denen kaum auf Englisch publiziert wird (etwa deutsches Verwaltungsrecht), findet Elicit wenig. Hier sind klassische Datenbanken wie Google Scholar oder fachspezifische Kataloge besser.
Häufige Fragen
Ist Elicit auf Deutsch nutzbar?
Du kannst deine Fragen auf Deutsch eingeben und Elicit versteht sie. Die Oberfläche und der Großteil der Datenbank sind aber englisch. Für die beste Trefferqualität formulierst du deine Forschungsfrage auf Englisch.
Ist Elicit kostenlos?
Es gibt einen kostenlosen Basic-Tarif mit monatlichen Credits, der für einzelne Recherchen reicht. Für intensive Nutzung mit vielen Extraktionen brauchst du den Plus- oder Pro-Tarif. Eine vollständige Einordnung der Preise findest du in unserem Elicit AI Testbericht.
Halluziniert Elicit Quellen?
Seltener als ein freier Chatbot, weil Elicit nur aus echten, indexierten Papern arbeitet und Aussagen mit der Textstelle belegt. Die generierten Zusammenfassungen können eine Aussage aber trotzdem ungenau wiedergeben. Prüf jede übernommene Aussage gegen das Original.
Kann ich die Ergebnisse in Zotero importieren?
Ja. Du exportierst die Tabelle als CSV und die Zitationen in gängige Formate, die sich in Literaturverwaltungen wie Zotero einlesen lassen.
Ersetzt Elicit Google Scholar?
Nein, es ergänzt es. Elicit ist stark beim Vergleichen und Auswerten vieler englischsprachiger Studien. Für deutschsprachige Literatur und vollständige Trefferlisten bleibt Google Scholar das bessere Werkzeug. Viele nutzen beides parallel.