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PRISMA Schema & Format: Aufbau der Checkliste erklärt

Veröffentlicht am Lesezeit: 9 Min.

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PRISMA Schema & Format: Aufbau der Checkliste erklärt
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Du sollst eine systematische Übersichtsarbeit schreiben, hast irgendwo “PRISMA” gehört und stehst jetzt vor einer englischen PDF mit 27 Items, sieben Sektionen und Begriffen wie “Synthesis methods”. Willkommen im Club. Die gute Nachricht: Das PRISMA Format sieht wuchtiger aus, als es ist. Es ist im Kern eine sehr ordentlich sortierte Checkliste — weniger ein Regelwerk, mehr ein Bauplan, an dem du dich entlanghangelst.

Dieser Guide nimmt dich durch das PRISMA Schema Punkt für Punkt: Was PRISMA 2020 überhaupt ist, wie die 27 Items in den sieben Sektionen aufgebaut sind, und wie du das Schema auf deine eigene Arbeit überträgst — ohne dass es sich wie Karteikarten-Auswendiglernen anfühlt. Wenn du noch nicht weißt, wofür PRISMA gut ist und warum es in der Methodik überhaupt auftaucht, lies vorher den Überblick; hier geht es um die Anatomie der Checkliste selbst.

PRISMA 2020 im Überblick

PRISMA steht für Preferred Reporting Items for Systematic reviews and Meta-Analyses. Das ist kein Methodenrezept und kein Bewertungsmaßstab — es ist eine Berichtsrichtlinie. Sie sagt dir nicht, wie du recherchierst, sondern was du am Ende über deine Recherche berichten musst, damit sie nachvollziehbar und reproduzierbar ist.

Die aktuelle Version, PRISMA 2020, wurde im März 2021 im BMJ veröffentlicht (Page et al., BMJ 2021;372:n71). Sie löst die ursprüngliche Fassung von 2009 ab und ist heute der Standard, den Zeitschriften, Hochschulen und systematische Reviewer in der Medizin, Psychologie, Pädagogik und vielen Sozialwissenschaften erwarten.

Das PRISMA 2020 Paket besteht aus mehreren Teilen:

  • Die Hauptcheckliste mit 27 Items in sieben Sektionen — das ist das, was die meisten Leute mit “PRISMA Format” meinen.
  • Eine Abstract-Checkliste mit zwölf Items für die Kurzfassung deiner Arbeit.
  • Das PRISMA-Flussdiagramm (prisma-flussdiagramm), das den Auswahlprozess deiner Studien visualisiert.

Wichtig zu wissen: PRISMA ist für systematische Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen gemacht. Wenn du eine klassische Bachelorarbeit mit narrativer Literaturschau schreibst, brauchst du das volle Schema nicht zwingend — aber Teile davon (Suchstrategie dokumentieren, Auswahlprozess offenlegen) machen jede Methodik besser. Frag im Zweifel deine Betreuung, ob PRISMA gewünscht oder nur empfohlen ist.

Die Checkliste Punkt für Punkt

Die 27 Items sind in sieben Sektionen sortiert. Hier geht es ein Mal sauber durch — mit Klartext dazu, was jeder Punkt eigentlich von dir will.

Sektion 1: Title (Item 1)

Der Titel soll klar erkennen lassen, dass es sich um eine systematische Übersichtsarbeit oder Meta-Analyse handelt. Klingt banal, ist aber wichtig: Datenbanken filtern nach genau diesen Worten.

Sektion 2: Abstract (Item 2)

Hier verweist PRISMA auf die separate Abstract-Checkliste. Dein strukturiertes Abstract muss zwölf Punkte abdecken — vom Hintergrund über die Methoden, Ergebnisse, Limitationen bis zur Registrierungsnummer deines Protokolls. Eine Tabelle mit Subsektionen (Background / Methods / Results / Discussion) macht das in der Praxis am übersichtlichsten.

Sektion 3: Introduction (Items 3-4)

  • Item 3 — Rationale: Warum gibt es diese Übersichtsarbeit? Was sagt der bisherige Wissensstand, und welche Lücke schließt du?
  • Item 4 — Objectives: Welche Forschungsfrage beantwortest du — bevorzugt im PICO-Format (Population, Intervention, Comparison, Outcome) oder einer fachspezifischen Variante.

Diese zwei Items sind der Übergang von “Warum tue ich das?” zu “Was genau will ich wissen?”.

Sektion 4: Methods (Items 5-16)

Das ist die größte Sektion — zwölf Items — und der Teil, an dem Gutachter am genauesten lesen. Hier dokumentierst du dein gesamtes Vorgehen:

  • Item 5 — Eligibility criteria: Welche Studien zählen rein, welche fliegen raus (Studientyp, Sprache, Zeitraum, Population, Setting).
  • Item 6 — Information sources: Welche Datenbanken, Register, Webseiten oder Expertenkontakte hast du genutzt — mit Datum der letzten Suche.
  • Item 7 — Search strategy: Die vollständige Suchstrategie für mindestens eine Datenbank, inklusive aller Filter. Klingt nach Overkill, ist aber das Herzstück der Reproduzierbarkeit.
  • Item 8 — Selection process: Wer hat Titel/Abstracts gesichtet, wie viele Reviewer pro Studie, wie wurden Konflikte gelöst?
  • Item 9 — Data collection process: Wie hast du Daten aus den Studien extrahiert — mit welchem Formular, von wie vielen Leuten?
  • Item 10 — Data items: Was hast du extrahiert (Outcomes, Studiendesign, Stichprobengröße, Konfundierer …).
  • Item 11 — Study risk of bias assessment: Mit welchem Instrument hast du Verzerrungsrisiken bewertet (RoB 2, ROBINS-I, Newcastle-Ottawa …) und von wie vielen Personen?
  • Item 12 — Effect measures: Welche Effektmaße (Odds Ratio, Mean Difference, Hazard Ratio …) hast du für die Synthese gewählt?
  • Item 13 — Synthesis methods: Wie hast du Ergebnisse zusammengefasst — statistische Meta-Analyse, narrative Synthese, Subgruppen, Heterogenität (I²) und so weiter. Dieses Item hat in PRISMA 2020 mehrere Unterpunkte (13a-f), an denen am häufigsten Items übersehen werden.
  • Item 14 — Reporting bias assessment: Wie hast du Publikationsverzerrung geprüft (Funnel-Plot, Egger’s Test …)?
  • Item 15 — Certainty assessment: Hast du die Evidenzqualität bewertet, z.B. mit GRADE? Sieht viel aus, ist es auch. Aber jede Frage hat einen Sinn: Sie macht deine Arbeit reproduzierbar. (Nebenbei: Wenn du dich fragst, ob es 27 oder mehr Items sind — es sind 27 Hauptpunkte plus etliche Subitems, besonders bei Item 13.)

Sektion 5: Results (Items 17-22)

  • Item 17 — Study selection: Hier kommt das PRISMA-Flussdiagramm rein — wie viele Treffer, wie viele Duplikate, wie viele ausgeschlossen, wie viele final eingeschlossen. Mit Begründung für jeden Ausschluss in der Volltextphase.
  • Item 18 — Study characteristics: Eine Übersichtstabelle aller eingeschlossenen Studien (Autoren, Jahr, Land, Design, Stichprobe, Intervention, Outcomes).
  • Item 19 — Risk of bias in studies: Ergebnis deiner RoB-Bewertung, am besten als Grafik oder traffic-light table.
  • Item 20 — Results of individual studies: Effektgrößen und Konfidenzintervalle pro Studie.
  • Item 21 — Results of syntheses: Deine Meta-Analyse oder Synthese — Forest-Plot, Heterogenität, Subgruppen.
  • Item 22 — Reporting biases / Certainty: Bewertung der Publikationsverzerrung und der Evidenzqualität für jedes Outcome.

Wenn du keine Meta-Analyse machst, sondern eine narrative Synthese, gelten die gleichen Items — du beschreibst sie nur in Worten statt in Forest-Plots.

Sektion 6: Discussion (Item 23)

PRISMA 2020 erwartet vier inhaltliche Komponenten, die in vielen Versionen als Items 23a-d abgebildet sind:

  • Allgemeine Interpretation der Ergebnisse im Kontext anderer Evidenz.
  • Limitationen der eingeschlossenen Studien (RoB, Heterogenität).
  • Limitationen deiner Methodik (z.B. Sprachfilter, unvollständige Register).
  • Implikationen für Praxis, Politik und zukünftige Forschung.

Das ist die Stelle, an der dein Review aus einer Datensammlung eine wissenschaftliche Aussage wird.

Sektion 7: Other Information (Items 24-27)

Die letzte Sektion fühlt sich wie “Kleingedrucktes” an, ist aber Pflicht:

  • Item 24 — Registration und Protokoll: Wo ist deine Arbeit registriert (z.B. PROSPERO)? Wo liegt das Protokoll?
  • Item 25 — Support: Wer hat das Review finanziert oder personell unterstützt?
  • Item 26 — Competing interests: Interessenkonflikte aller Autorinnen und Autoren.
  • Item 27 — Availability of data, code and other materials: Wo sind Rohdaten, Extraktionsformulare, Analysecode? Bei Hochschularbeiten reicht oft ein Anhang oder ein verlinktes Repository.

Macht in Summe 27 Items, sieben Sektionen, ein Flussdiagramm und eine Abstract-Checkliste. Das ist das komplette PRISMA Format.

Schema für die eigene Arbeit

Die Checkliste lesen ist eine Sache, sie in deine Bachelor-, Master- oder Doktorarbeit einbauen die andere. So wendest du das Schema pragmatisch an:

1. Druck dir die Checkliste aus. Die offizielle PDF gibt es auf prisma-statement.org. Eine ausgedruckte Liste, in der du Items abhaken kannst, schlägt jede Cloud-Lösung.

2. Lege deine Methodik nach den 27 Items an. Schreib in deinem Methodenkapitel ruhig die Item-Nummern in eckigen Klammern neben deine Absätze — bei der Selbstkontrolle sieht man sofort, wo welcher Punkt landet. In der finalen Version nimmst du die Nummern wieder raus.

3. Schreibe das Protokoll vor der Recherche. Ein PRISMA-Protokoll ist dein Methodenkapitel im Vorhinein: Fragestellung, Einschlusskriterien, Suchstrategie, geplante Synthese. Registrierst du das bei PROSPERO, erfüllst du Item 24 ohne Aufwand.

4. Dokumentiere die Recherche live. Notiere bei jeder Datenbankabfrage: Datum, Suchstring, Trefferzahl. Wer das im Nachhinein rekonstruieren muss, verliert Stunden — und meist die Hälfte der Treffer.

5. Halte die Trennung Methode/Ergebnis sauber. Items 5-16 beschreiben was du vorhattest, Items 17-22 was rauskam. Wenn du Methoden zwischendurch anpasst, gehört das in beide Sektionen — mit Hinweis, dass du post hoc verändert hast.

Lohnt sich ein KI-Tool für die Organisation?

Ja, aber bitte ehrlich: Ein Sprachmodell kann dir die Checkliste nicht für dich abhaken. Was es schon kann: Suchstrategien in Boole’sche Syntax für PubMed oder Scopus übersetzen, Abstracts gegen deine Einschlusskriterien vorscreenen, deinen Methodentext gegen die 27 Items prüfen (“Was fehlt noch?”) und Datenextraktionsformulare strukturieren.

Spezialisiert sind Rayyan, Covidence oder ASReview. ChatGPT oder Claude sind okay für Übersetzung und Strukturierung, aber kein Ersatz für methodische Verantwortung — Studien-Einschlüsse blind einem LLM zu überlassen verstößt gegen den Geist von PRISMA und meist auch gegen die Prüfungsordnung.

Beispiel

Konkret macht’s klarer. Stell dir vor, du schreibst eine Masterarbeit zur Frage:

Wie wirksam ist achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR) auf wahrgenommenen Stress bei Studierenden?

So sähe dein PRISMA-Schema in der Kurzfassung aus:

  • Title (1): “Wirksamkeit von Achtsamkeitsbasierter Stressreduktion auf wahrgenommenen Stress bei Studierenden: Eine systematische Übersichtsarbeit”.
  • Introduction (3-4): Hintergrund — steigende Stressbelastung in Hochschulen, bisherige Reviews zur MBSR im Allgemeinen, aber keine fokussiert auf Studierende. Ziel: PICO-formulierte Frage.
  • Eligibility (5): RCTs, ab 2015, deutsch- oder englischsprachig, Population: Studierende, Intervention: MBSR (mind. 8 Wochen), Vergleich: Wartelistenkontrolle oder Aktivkontrolle, Outcome: PSS-Score (Perceived Stress Scale).
  • Information sources (6): PubMed, PsycINFO, Web of Science, plus Handsuche in drei Schlüsselzeitschriften; letzte Suche: [Datum eintragen].
  • Search strategy (7): ("mindfulness-based stress reduction" OR MBSR) AND (student* OR university OR college) AND (stress OR perceived stress) — mit allen datenbankspezifischen Filtern dokumentiert.
  • Selection process (8): Doppelte Titel-/Abstract-Sichtung in Rayyan; Konflikte per Diskussion gelöst.
  • Risk of bias (11): Cochrane RoB 2, zwei Reviewer.
  • Synthesis (13): Random-Effects-Meta-Analyse für PSS-Score; Heterogenität via I²; bei I² > 75 % narrative Synthese.
  • Results (17-22): Flussdiagramm mit 1.243 identifizierten Treffern, 18 final eingeschlossenen Studien; Forest-Plot zeigt SMD von -0,42 [95 % CI: -0,58; -0,26]; mittlere Heterogenität.
  • Discussion (23): Wirksamkeit kleiner als in Erwachsenenpopulationen; Limitation: kurze Follow-up-Phasen.
  • Other (24-27): Protokoll auf PROSPERO (CRD420…), keine Finanzierung, keine Konflikte, Daten/Code auf OSF verlinkt.

Das ist es im Kern. Wenn du in deiner Methodik diese Struktur hast, ist dein Review PRISMA-konform — unabhängig vom Forschungsthema.

Was du jetzt tun kannst

Wenn du gerade in einer systematischen Übersichtsarbeit steckst: Öffne deinen Methodenentwurf parallel zur ausgedruckten Checkliste und geh die 27 Items einmal langsam durch — markiere am Rand abgedeckt, angepasst, fehlt. Die “fehlt”-Punkte sind dein To-do für die nächste Schreibphase. Und überleg vor der ersten echten Recherche, ob du ein PROSPERO-Protokoll registrierst; das spart später Bauchschmerzen bei Item 24.

PRISMA ist kein Gütesiegel, sondern ein Werkzeug, das aus deinem Review eine nachvollziehbare Arbeit macht — und nebenbei dafür sorgt, dass Gutachter dir keine “Wie hast du eigentlich …?”-Fragen mehr stellen. Wer die Checkliste einmal verstanden hat, hat das anstrengendste Drittel der Methodik schon hinter sich.

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